Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie ist ein in Österreich formal anerkannter psychotherapeutischer Ansatz der davon ausgeht, dass das Verhalten, Denken und Erleben von Menschen durch bewusste und unbewusste Lernprozesse seit der frühen Kindheit (oder auch schon davor) geprägt wird. Dabei können Muster entstehen, die im Leben zu Problemen führen.

Es wird davon ausgegangen, dass Verhaltensweisen erlernt und auch wieder "verlernt" werden können. Daraus kann man folgern, dass problematisches Verhalten in erster Linie als Ergebnis von Lernprozessen ist und durch die Verwendung von Verhaltens- und Lernprinzipien verändert werden kann. Genetische Unterschiede sowie die ererbte Stressanfälligkeit als Voraussetzung einer Störung werden natürlich mit berücksichtigt.

Um Veränderungen zu bewirken, ist es nicht zwangsläufig notwendig, die Ursprünge des psychologischen Problems genau zu ergründen. 

Die Verhaltenstherapie ist eine auf der empirischen Psychologie basierende psychotherapeutische Grundorientierung die eng an Medizin und Hirnforschung geknüpft ist. Dementsprechend sind alle in der Therapie angewandten Methodenbereiche klinisch auf ihre Wirksamkeit überprüft und als Teil der Verhaltenstherapie zu verstehen.



Eine Auswahl verhaltenstherapeutischer Einzelverfahren, deren Elemente ich in der Behandlung verwende:


Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Therapieverfahren von Aaron Beck und Albert Ellis gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen, verhalten und körperlich reagieren. Therapieschritte beinhalten: Bewusstmachung des Gedankenprozesses im Zusammenhang mit Situationen und deren Überprüfung auf Angemessenheit. In weiterer Folge können Denkfehler wie z.B. willkürliche Schlussfolgerungen, selektive Aufmerksamkeit, Übergeneralisierung und dichtomes Denken korrigiert werden. Kognitionsorientierte Verfahren sollen langfristig zu einer kognitiven Umstrukturierung und zu einem Aufbau positiven Verhaltens führen. Eine Weiterentwicklung dieses Verfahrens ist das Akzeptanz und Comittment Modell (ACT) von Steven Hayes (2004): Dysfunktionale Gedanken, die rigide als Überzeugungen oder persönliche Wahrheit existieren, sollen akzeptiert werden. Die Funktion dieser Gedanken soll modifiziert werden. Der Patient lernt die Gedanken achtsam zu betrachten, ohne mit ihnen zu verschmelzen oder sein Verhalten danach auszurichten. Die Klärung von Werten und Lebenszielen nimmt einen großen Raum ein, aus dem konkrete Handlungsabsichten (commitments) abgeleitet werden. Anwendungsgebiete: Ängste, Panikattacken, Psychosomatische Erkrankungen, Essstörungen.


Expositionsverfahren

Dieses Verfahren hat sich in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien als höchst wirksam in der Behandlung von Angsterkrankungen und Zwangsstörungen erwiesen. Kennzeichnend für die meisten Angstsymptome ist die Vermeidung der angstauslösenden Reize. Somit wird die Angst aufrecht erhalten und eine erfolgreiche Bewältigung verhindert. Expositionsverfahren haben allerdings nichts damit zu tun, dass sich der Patient einfach seiner Angst stellen muss. In Begleitung des Therapeuten soll der Patient ausreichend Sicherheit erlangen und sich in unterschiedliche Situationen begeben: Diese sollten Angst auslösen. Der Patient soll sich der Angst nicht ausgeliefert fühlen, sondern sie bewältigen können, ohne flüchten zu müssen. Das gelingt, indem sich der Patient anhand einer Angsthierarchie an die angstmachende Situation herantastet . Dadurch kommt es zur Habituierung und Veränderung neuronaler Bahnen.

Anwendungsgebiete: soziale Phobie, Agoraphobie, Panikstörung, Zwänge.


Dialektisch-behaviorale Therapie

DBT ist ein von der anerkannten Psychologieprofessorin Marsha M. Linehan entwickeltes Therapiemodell zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Scheinbare Gegensätze (Dialektik) in der Welt des Patienten sollen aufgelöst und schrittweise integriert werden. Durch erlernte Fertigkeiten sind Patienten in der Lage emotionale Krisen, Spannungszustände und Dissoziationen zu regulieren. DBT besteht aus einem Fertigkeitentraining im Rahmen einer Einzeltherapie und Telefonkontakten mit dem Therapeuten in Notfällen. Das Fertigkeitentraining besteht aus 4 Modulen:

  • Innerer Achtsamkeit (orientiert an der Achtsamkeit des Zen-Buddhismus)
  • Umgang mit Gefühlen
  • Stresstoleranz und
  • Zwischenmenschlicher Beziehung.

DBT bietet Hilfe für Menschen, die sich durch eine reale Situation bedroht fühlen (z.B. Krankheit mit ungünstige Prognose) oder bei undifferenzierten Bedrohungsgefühlen wie sie im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung vorkommen.


Schematherapie

Die Schematherapie von Jeffrey Young geht davon aus, dass in der Kindheit Schemata durch Lernprozesse, Erfahrungen und Identifikationen erworben werden. Ein Schema ist ein allgemein organisierendes Prinzip, welches Personen hilft, Geschehnisse in ihrem Leben zu verstehen. Ein Schema hat Auswirkungen auf die Partnerwahl und Beziehungsgestaltung und hat den Charakter einer Weltanschauung. Wenn Grundbedürfnisse wie emotionale Sicherheit oder stabile Bindungen in der frühen Entwicklung missachtet werden, entstehen in Kombination mit dem angeborenen Temperament des betroffenen Menschen maladaptive Schemata wie Verlassenheit, Misstrauen, Versagen, Mangelhaftigkeit, Unterwerfung, Suche nach Anerkennung, Abhängigkeit, Selbstaufopferung Diese sind im Gehirn (Amygdala) unbewusst und implizit emotional repräsentiert. Im Hippocampus werden diese als explizite Erinnerung oder emotionale Situation gespeichert.

Nach Jeffrey Young gibt es 3 Bewältigungsstile (Kampf, Erstarrung und Flucht bzw. Überkompensation, Erdulden oder Vermeiden) um mit dem Schemata zurechtzukommen. Werden gleichzeitig mehrere Schemata ausgelöst, spricht man von einem Schemamodus. Diese sind mit stärkeren emotionalen Zuständen gekoppelt wie Verärgerung, Impulsivität oder Verletzbarkeit.

Beispiele für Schemata sind: Nichterfüllung von Zuneigung und Fürsorge führt zu emotionaler Deprivation, Verlassenheit. Missbrauch führt zu Misstrauen, Verwöhnung/Überbehütung führt zu Abhängigkeit und Inkompetenzgefühl oder Anspruchshaltung und Grandiositätsgefühlen. Ziel der Schematherapie ist die Identifikation maladaptiver Schemata und der Aufbau neuer erwünschter Verhaltensmuster, die denen eines glücklichen Erwachsenen mit persönlicher Autonomie und Integrität entsprechen.