Stress- und Emotionsregulation


Im Alltag sind Stress und Gefühle wichtig, weil erst sie uns handlungsfähig machen: Sie geben uns sehr schnell Orientierung und Handlungssicherheit, sie motivieren und aktivieren uns, und sie sind ein wesentliches Element zwischenmenschlicher Interaktion. 

Etwas verkürzt gesagt sind sie schnelle Informationsverarbeitungs- Selbstregulations- und Kommunikationsprogramme in uns, ohne welche die Menschheit nicht überlebt hätte. Allerdings bergen ihre Geschwindigkeit und ihr evolutionäres Alter zahlreiche Gefahren. Die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und der Handlungssteuerung geht auf Kosten der Genauigkeit: Fehleinschätzungen und schlecht angepasste Reaktionen können die Folgen sein. Zudem sind unsere Stress- und Gefühlsprogramme auf eine Umwelt ausgelegt, die sehr sehr alt ist. 

Das kann heute zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Stress und Emotionen können sich aus diesen Gründen problematisch auf die Gesundheit sowie auf die eigene Interaktions- und Handlungsqualität auswirken. 

Wir können Gefühle wie Freude, Ärger, Sorgen, Angst und Stress nicht einfach ignorieren, aber auch nicht bedingungslos ausleben. Davon abgesehen müssen oder wollen wir oft Gefühle überzeugend zeigen, die spontan nicht vorhanden sind: Zum Beispiel stellen wir manchmal an uns den Anspruch, uns für einen anderen Menschen zu freuen, obwohl wir diese Freude gar nicht spüren. Dann wieder verbergen wir Gefühle, die uns bewegen. Oft wollen wir eigene Gefühlslagen auch möglichst schnell zum Besseren wenden.

Darüber hinaus herrscht innerhalb der eigenen Person und in Interaktionen mit anderen eine »emotionale Ansteckungsgefahr«. Intrapersonal kann ein intensives Gefühl oder eine Erregungssteigerung die Wahrnehmung, das Denken und Handeln belasten. Man lernt ungewollt, durch Grübeln die Wolken von gestern oder morgen über die Sonne von heute zu ziehen, oder durch riskante Bewältigungsstrategien wie etwa durch Aufschieben, »Entspannungstrinken« oder Impulshandlungen selbst- und fremdschädigend zu reagieren. 

Wenn die Kraftressourcen zur Neige gehen, gelingt es immer weniger, sich gegen solche intrapersonalen Risiken zur Wehr zu setzen und die emotionale Selbstverantwortung aufrechtzuerhalten. In Interaktionen kann die emotionale Betroffenheit von einem zum anderen überspringen, aus Meinungsverschiedenheiten werden vielleicht Probleme, Konflikte oder Krisen mit riskanten Bewältigungsstrategien. Ab einer bestimmten Intensität und Dauer wirken sich Gefühlsschwankungen oder Stress negativ auf die Gesundheit, die Interaktions- und Arbeitsqualität im beruflichen wie im privaten Bereich aus.

Effektive Emotions- und Stressregulation ist eine Kunst, vorhandene Gefühle innerlich zu kontrollieren und sie so auszudrücken, dass sie den Interaktionszielen sowie der eigenen Gesundheit dienen. Die WHO zählt die konstruktive Emotionsregulation und Stressbewältigung sogar zu den Lebenskompetenzen, die lebenslänglich vom Kindergarten an bis zur beruflichen Weiterbildung vermittelt werden sollten. 

Denn diese Fähigkeiten und Ressourcen nutzen sich im Alltag ab und müssen fast täglich durch spezifische Maßnahmen aufgefrischt werden. Das gilt besonders dann, wenn am Arbeitsplatz oder in der privaten Lebenswelt chronische psychosoziale Risikofaktoren in bestimmten Situationen nicht reduziert werden können und die Person daher laufend gegenregulieren muss. 

In einer kognitiven Verhaltenstherapie können Sie eine gesunde Gefühls- und Stressregulation lernen.


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