Warum haben Frauen, die sich zu dick finden, weniger Vergnügen in der Sexualität?

Was haben sexuelles Vergnügen und Partnerschaft mit der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper zu tun?


"Frauen finden sich immer zu dick", "Frauen wollen immer abnehmen!", "Eine Frau macht immer irgendeine Diät!".

Solche Sätze haben Sie alle schon einmal gehört. Sie bringen zum Ausdruck, dass Frauen mit ihrer Figur unzufrieden sind und abnehmen (manchmal auch zunehmen) möchten. Sie neigen dazu, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein und finden sie sich oftmals dicker, als sie es in Wirklichkeit sind. Diese Realitätsverzerrung führt dazu, dass die meisten von ihnen unbedingt abnehmen oder möglichst wenig essen möchten. Um das zu erreichen, greifen einige manchmal sogar zu potenziell gesundheitsschädlichen Methoden. 

Dass die meisten Frauen mit ihrer Figur unzufrieden sind, liegt vielleicht daran, dass sie sich mit den momentanen weiblichen Schönheitsidealen vergleichen, die ihnen in Zeitschriften und Medien präsentiert werden, also mit sehr schlanken Frauen. 

Diese Unzufriedenheit kann sich auch in ihrem Alltagsleben bemerkbar machen. So tragen sie beispielsweise weite Kleidung, die ihre Figur verhüllt, und auch ihr Selbstwertgefühl leidet unter der subjektiv empfundenen Mangelhaftigkeit. In einigen Untersuchungen hat man versucht herauszufinden, inwieweit die Unzufriedenheit der Frauen mit ihrer Figur auch ihre Paarbeziehung und ihr Sexualleben beeinflusst.

Meltzer & McNulty (2010) befragten hierzu fünfmal 53 Paare, die seit kurzem, aber mindestens seit sechs Monaten verheiratet waren. Keiner der Ehepartner war zuvor schon einmal verheiratet gewesen und keiner hatte Kinder.

Zu den erhobenen Daten gehörte auch die Häufigkeit der sexuellen Kontakte (wie oft sie im zurückliegenden Monat Geschlechtsverkehr praktiziert hatten), die sexuelle Befriedigung und die Zufriedenheit in der Ehe (d.h. die Zufriedenheit mit der Paarbeziehung). Außerdem wurden die Probandinnen nach ihrem Selbstwertgefühl gefragt und danach, wie zufrieden sie mit ihrer Figur waren. Der Grad der körperlichen Zufriedenheit wurde bestimmt anhand 1) der sexuellen Attraktivität, 2) der Sorge um das eigene Gewicht und 3) der körperlichen Verfassung.

Die Ergebnisse zeigten zunächst einmal, dass beide Partner gleichermaßen mit ihrer Ehe und ihrem Sexualleben zufrieden waren.

Die Analyse der Korrelationen zwischen den verschiedenen Indikatoren erbrachte mehrere interessante Ergebnisse: 

- Erstens, je dicker eine Frau tatsächlich war, d.h. je höher ihr BMI ausfiel, umso geringer war ihr Selbstwertgefühl und umso weniger fand sie sich sexuell attraktiv. 

- Zweitens kam es seltener zum Geschlechtsverkehr, wenn die Frau sich nicht als sexuell begehrenswert empfand, und damit sank auch ihre Zufriedenheit mit der Ehe. Die Zufriedenheit des Mannes mit dem Sexualleben und der Ehe hingegen wurde durch den BMI seiner Frau nicht beeinflusst, sondern nur dadurch, ob sie sich sexuell anziehend fand. Je begehrenswerter sich eine Frau also sah, umso zufriedener war ihr Mann, sowohl in sexueller Hinsicht als auch in der Paarbeziehung an sich, und das selbst dann, wenn seine Frau tatsächlich übergewichtig war.

Aus anderen Statistiken ging jedoch hervor, dass für den Zusammenhang zwischen der sexuellen Attraktivität der Frau und der Zufriedenheit beider Partner mit der Ehe die Häufigkeit der sexuellen Beziehungen des Paares eine vermittelnde Rolle spielte: Je begehrenswerter sich eine Frau selbst fühlt, umso häufiger kommt es zum Geschlechtsverkehr.  Je häufiger es zum Geschlechtsverkehr kommt, umso höher ist die sexuelle Befriedigung beider Ehepartner und schließlich steigt die Zufriedenheit mit der Ehe, je sexuell befriedigter die Partner sind.

Fazit:

Frauen, die mit ihrer Figur unzufrieden sind, halten sich oft für weniger begehrenswert als andere und verhalten sich daher in der Sexualität gehemmter, sie neigen dazu weniger sexuelle Interaktionen zu haben, was sich auf die Partnerschaft auswirkt und sind unbefriedigter. 

Die meisten Frauen finden sich dicker, als sie es tatsächlich sind. Viele behaupten außerdem, ihre Männer wollen sie nur beruhigen, wenn sie ihnen sagten, sie seien doch gar nicht zu dick, bräuchten nicht abzunehmen oder eine Diät zu machen. 

Nun, meine Damen, Ihre Männer wollen durchaus nicht immer nur nett sein: Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Männer Sie tatsächlich als weniger dick empfinden als Sie selbst vermuten, und dass sie Ihren Körper viel attraktiver finden als Sie selbst es tun. Und deshalb wollen sie gar nicht unbedingt, dass Sie schlanker werden. Beruhigt Sie das ein wenig? 

Ihren Partner interessiert weniger ihr Gewicht, als vielmehr die Tatsache, ob sie sich selbst als begehrenswert empfinden. 



Quelle: Wie Gedanken unser Wohlbefinden beeinflussen, Fischer/Dodeler